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Die Ergebnisse beim Konzentrationstrainings für Schüler (KTS)

Bis Ende 2003 nahmen über 70 Schülerinnen und Schüler an einem Konzentrationstraining für Schüler (KTS) teil. Die ersten Gruppen fanden im Frühjahr 2001 statt. Im Folgenden finden Sie ausführliche Ergebnisse zu diesem Trainingsprogramm. Bitte beachten Sie auch die aktuallisierten Ergebnisse vom Februar 2004 unten auf dieser Seite.

Wie das KTS aufgebaut ist und durchgeführt wird, findet sich in der Dokumentation von Mara Kellner (im PDF-Format).
Eine theoretische Abhandlung zum Thema Konzentration finden Sie unter Unkonzentriertheit - Ursachen und Hilfen'.
Für Fallbeschreibungen klicken Sie bitte hier .

1. Was bringt das KTS?

Von den 10 Schülern machten am Ende des achten und letzten Trainingstermins 8 die Aussage, dass ihnen das Konzentrationstraining etwas gebracht habe. Die häufigsten Angaben gingen in Richtung: "Ich kann mich besser konzentrieren." und "Meine Noten sind besser geworden."
Dies deckt sich mit den objektiven Ergebnissen des Angstfragebogens für Schüler (AFS) und dem Konzentrationstest d2, den alle Teilnehmer zu Beginn und in der letzten Trainingsstunde durchführten.

Der AFS misst Prüfungsangst (PA), manifeste Angst (MA), Schulunlust (SU) und soziale Erwünschtheit (SE). Zu meinem Bedauern ergeben sich für Prüfungsängste (PA) keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen "vorher" und "nachher". Dies war für MA (manifeste Angst) und SU (Schulunlust) anders. Um die Unterschiede auf statistische Signifikanz zu überprüfen, wählte ich den Wilcoxon Test. Mit einer statistischen Wahrscheinlichkeit von 90% kann man sagen: Mittels des KTS (Konzentrationstraining für Schüler) nehmen die manifesten Ängste ab. Mit diesem Ergebnis hatte ich nicht gerechnet. Manifeste Ängste gelten als größtenteils angeboren. Eine Veränderung ist zwar nicht grundsätzlich ausgeschlossen, aber dass sozusagen das Autogene Training (AT), welches ein wichtiger Bestandteil des KTS ist, helfen kann die manifesten Ängste zu vermindern, hätte ich im Voraus nicht erwartet. Um eine Verringerung auch bei den Prüfungsängsten zu erzielen, werde ich in Zukunft mit den Teilnehmern, die am Ende des Kurses noch recht hohe Prüfungsangst haben, noch die Anti-Stress-Methoden durchsprechen.
Ein noch deutlicheres Ergebnis zeigt sich bei der Schulunlust. Hier kann mit 99%iger Wahrscheinlichkeit von einer Verringerung der Unlust an Schule ausgegangen werden. Dieses Ergebnis finde ich besonders schön. Denn gerade die Freude am Lernen ist mit eine der wichtigen Voraussetzungen für Lern- und Schulerfolg.
Bei der Skala soziale Erwünschtheit (SE) zeigen sich keine Veränderungen.

Kommen wir nun zur Beschreibung der Veränderungen, die sich im Konzentrationstest d2 zeigen. Auffälligstes Ergebnis ist: Die Schüler machen bedeutend weniger Fehler. In Zahlen ausgedrückt: Der Anteil der Fehler an der Gesamtleistung geht um über 55 % zurück! Diese Fehlerreduktion ist im statistischen Sinne hochsignifikant. (Wilcoxon Test; zweiseitig mit 1%iger Irrtumswahrscheinlichkeit).
Dieses hochsignifikante Ergebnisse zeigt sich auch im Bezug auf die Leistungsmenge, die im d2 als GZ (Gesamtleistung) bezeichnet wird als auch in der Anzahl der fehlerfreien Leistung, die als GZ-F (Gesamtzahl minus Fehler) bezeichnet wird.

2. Die Einzelergebnisse

1. Der Übungsverlauf bei WinKonz

Zuerst zeige ich den Übungsverlauf auf. Alle 10 Schüler und Schülerinnen nahmen 8 mal an WinKonz teil. Dabei zeigte sich folgender Übungsverlauf:


Legende:
Trg 1= Training 1 oder "Suchen"; es zeigt sich dass alle Teilnehmer im Durchschnitt ihr erstes Ergebnis beim 8. mal um etwa 33% erhöhen konnten.
Trg 2= Training 2 oder "Rechnen": hier konnten die Teilnehmer ihr Ergebnis durchschnittlich um 20% verbessern.
Trg 3= Training 3 oder "Merken"; die Teilnehmer konnte ihr Kurzzeitgedächtnis um etwa 30% steigern.
Trg 4= Training 4 oder "Nullen"; bei dieser Wahrnehmungsübung konnten durchschnittliche Steigerungen von 80% erzielt werden.
Gesamt= der Mittelwert von Trg 1 bis Trg 4; Die Ergebnisse lagen um etwa 40% beim 8. mal über dem 1. Ergebnis.
Die Punktzahl, die jeder einzelne Teilnehmer beim ersten Mal erzielte, wurde mit 100% gleichgesetzt. Alle weiteren Prozentergebnisse stehen in Relation zu diesen ersten Werten.

Hinweis: Da bei mir insgesamt schon mehr über 25 Schüler und Schülerinnen nur allein an WinKonz teilgenommen habe, weiß ich, dass es meist noch einmal einen Anstieg der Leistungen beim 9. Mal gibt. Von daher empfehle ich, WinKonz nicht nur acht mal, sondern häufiger durchzuführen. In Zukunft werde ich deshalb das KTS nicht mehr mit 8 Trainingseinheiten, sondern mit mindestens 9 anbieten.

2. Die Einzel-Ergebnisse beim Angstfragebogen für Schüler (AFS) und dem Konzentrationstest (d2).
 
Geschlecht
Schultyp
Alter
M
RS
10
M
RS
10
M
RS
11
M
RS
11
M
RS
10
W
GS
9
W
HS
13
M
HS,
11
M
GS
10
M
RS
14
Mittel St
Abw
1. AFS PA 12 7 5 6 3 7 12 4 15 12 8,3 4,1
MA 12 12 5 2 8 11 3 9 13 10 8,5 3,9
SU 5 6 6 6 7 5 1 5 5 9 5,5 2,0
SE 0 0 0 5 1 6 6 1 5 1 2,5 2,6
1. d2 GZ 253 242 346 341 332 180 278 278 328 484 306,2 81,7
F 21 9 14 56 15 26 17 19 74 10 26,1 21,5
F% 8,3 3,7 4 16 4,5 14 6,1 6,8 23 2,1 8,9 6,7
GZ-F 232 233 332 285 317 154 261 259 254 474 280,1 84,1
Verän-
derung
2. AFS PA 14 2 4 2 0 15 3 5 15 14 7,4 6,3
-10,8%
MA 13 7 2 2 5 14 0 6 11 7 6,7 4,8
-21,2%
SU 4 3 5 4 6 4 0 3 4 8 4,1 2,1
-25,5%
SE 0 0 1 2 1 6 6 1 6 0 2,3 2,6
-8,0%
 
2. d2 GZ 305 303 416 428 373 265 352 315 326 558 364,1 85,3
18,9%
F 8 0 5 68 7 9 8 15 19 10 14,9 19,4
-42,9%
F% 2,6 0 1,2 16 1,9 3,4 2,3 4,8 5,8 1,8 4,0 4,5
-55,5%
GZ-F 297 303 411 360 366 256 344 300 317 548 350,2 82,2
25,0%

Legende:
M= männlich; W= weiblich; RS= Realschule; GS= Grundschule; HS= Hauptschule Mittel= Mittelwert; StAbw= Standardabweichung
1. AFS= erste Messung beim Angstfragebogen für Schüler
2. AFS= zweite Messung beim Angstfragebogen für Schüler
1. d2= erste Messung beim Konzentrationstest d2<
2. d2= zweite Messung beim Konzentrationstest d2
PA= Prüfungsangst; MA= manifeste Angst; SU= Schulunlust; SE= soziale Erwünschtheit
(um so höher die Zahlen um so ungünstiger; Maximum = 15, Minimum= 0)
GZ= Gesamtzahl der bearbeiteten Zeichen; F= Fehleranzahl; F%= F/GZ*100; GZ-F= Differenz: GZ minus F
(um so höher GZ bzw. GZ-F um so günstiger; um so niedriger F bzw. F% um so günstiger)
Alle Werte sind sogenannte Rohwerte

3. Fazit

Das KTS ist hilfreich. Es trägt durch die Verbesserung der Konzentrationsfähigkeiten - insbesondere einer Verringerung von Leichtsinnsfehlern - und eines allgemeinen Angstabbaus zu einer Zunahme der Schullust bei. Oft wurden von den Schülern auch Verbesserungen bei den Benotungen berichtet.


4. Aktualisierte Ergebnisse vom 1.3.2002

Bis zum 29.2.2002 haben insgesamt 18 Schüler und Schülerinnen das KTS vollständig durchgeführt. 11 nahmen 8 mal und 7 Schüler 9 mal am Training teil. Die Ergebnisse, die obige Ergebnisse bestätigen und ergänzen, sind ermutigend, auch wenn sie nicht in allen Fällen im statistischen Sinne signifikant sind.

Beim Angstfragebogen für Schüler (AFS) ergab sich eine Verminderung der durchschnittlichen Prüfungsangst (genaugenommen der Antworten) um 20%. Dieses Ergebnis ist beträchtlich, auch wenn es im statistischen Sinne nicht signifikant ist.
Die 'manifeste Angst' verminderte sich um etwa 22%, ebenso die Schulunlust (-22%). Gerade das Ergebnis bezüglich Schulunlust ist doch recht positiv, da eine vermehrte Schullust auch vermehrte Motivation bedeutet. Neben der Begabung spielt die Motivation bei Leistungen und damit bei den Zensuren eine bedeutende Rolle.
Das KTS wirkte sich sogar auf 'soziale Erwünschtheit' aus (-12%), was dahin gehend interpretiert werden darf, dass die Schüler lernten, eher zur eigenen Meinung zu stehen, und sich weniger nach der vermeintlichen oder tatsächlichen Meinung von anderen zu richten. Dass dieses Ergebnis im statistischen Sinne signifikant ist, zeigte sich bei den ersten 10 Schülern, die am KTS teilnahmen, noch nicht.

Beim Konzentrations- und Aufmerksamkeitstest d2 zeigte sich besonders deutlich eine Verminderung der Fehler. Diese nahmen im Verlauf des Trainings um fast 40% ab. Ich interpretiere dies in dem Sinne, dass das KTS vor allem hilft, weniger Leichtsinnsfehler zu machen. Dabei gelang es den Schülern sogar in der gleichen Zeit etwa 17% mehr Aufgaben zu bewältigen. Berücksichtigt man dies mit, so ergibt sich sogar eine Fehlerreduktion von etwa 60%!
Das heißt: Das KTS hilft nicht nur schneller zu arbeiten, sondern dabei auch beträchtlich weniger Fehler zu machen.

Grafische Darstellung der Veränderungen:


Legende:
PA= Prüfungsangst; MA= manifeste Angst; SU= Schulunlust; SE= soziale Erwünschtheit
F= Fehleranzahl; GZ= Gesamtzahl der bearbeiteten Zeichen; GZ-F= Differenz: GZ minus F
 * = statistisch signifikant auf dem 10%-Niveau; getestet mit dem Wilcoxon Test
** = statistisch signifikant auf mindestens dem 5%-Niveau; getestet mit dem Wilcoxon Test



5. Aktualisierte Ergebnisse vom 22.2.2004

A. Kleingruppentraining

Bis Ende 2003 nahmen im Rahmen von Kleingruppen insgesamt 28 Schüler und Schülerinnen 8 bis 9 mal am KTS teil. Es bildete sich folgendes Ergebnis ab:

Angstfragebogen für Schüler

Prozentuale Veränderung

Effektstärke

Prüfungsangst

-25%

0,48

Allgemeine Ängstlichkeit

-20%

0,39

Schulunlust

-20%

0,45

Soziale Erwünschtheit

-20%

0,26

Vor allem die Prüfungsangst vermindert sich durch das KTS. Die damit verbundene Effektstärke von 0,48 kann als mittel bezeichnet werden. Vergleichbares gilt für die Schulunlust.


Konzentrationstest d2

Prozentuale Veränderung

Effektstärke

GZ

16%

0,66

Anzahl der Fehler (F)

-30%

0,28

F% (= F/GZ*100)

-41%

0,51

GZ-F

20%

0,83

Konzentrationsleistung (KL)

25%

0,85

Effektstärken von 0,28 sind als klein anzusehen. Bei Werten von 0,51 und 0,66 kann man von mittleren Stärken ausgehen. Bei Werten über 0,80 sind sie als stark anzusehen. Das KTS führt zu einer deutlichen Verbesserung der Konzentrationsleistung.


B. Training an einer Schule

Von April bis Juni 2003 führte ich das KTS auch an zwei 5. Klassen einer Hauptschule durch. Maximal 15 Schüler oder Schülerinnen konnten das Training gleichzeitig im Computerraum der Schule absolvieren. Insgesamt wurden 4 Gruppen gebildet; 8 Trainingssitzungen fanden statt für insgesamt 56 Teilnehmer.
Die Schüler hatten die Möglichkeit auch das Autogene Training kennenzulernen. Nicht alle nutzen diese Chance. Es zeigte sich weiterhin, dass die wenigsten das Autogene Training zu Hause regelmäßig durchführten. Obwohl die Schüler das Computerprogramm WinKonz mit nach Hause bekamen, wurde zu Hause nach Aussagen der Schüler sehr selten damit geübt. Die im Folgenden beschriebenen positiven Ergebnisse resultieren also hauptsächlich aus den 8 WinKonz-Trainingssitzungen in der Schule.

In einer Klasse verbesserte sich die Konzentrationsleistung (KL) laut Konzentrationstest d2 von 100,8 auf 107,4: Dies entspricht einer starken Effektstärke von 0,77.
In der anderen Klasse verbesserte sich die Konzentrationsleistung (KL) von 99,8 auf 106,9: Dies entspricht einer ebenfalls starken Effektstärke von 0,86.

Bei der zweiten Klasse nahm die Lehrerin auch eine Beurteilung (entsprechend deutscher Notengebung zwischen 1 [beste Note] bis 6 [schlechteste Note]) der Konzentration ihrer Schüler vor und nach dem Training vor. Vor dem Training vergab sie für ihre Schüler im Durchschnitt die Note 3,1; nach dem Training die Note 2,6.