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Unkonzentriertheit - Ursachen und Hilfen
von Dipl.-Psych. Ernst Hartmann
Inhalt
1. Einleitung
Konzentrationsmangel ist etwas, worunter viele Schüler und auch Nichtschüler
leiden. Bei Untersuchungen wurde festgestellt, dass Konzentrationsschwierigkeiten
die am häufigsten auftretenden Lernschwierigkeiten sind. Viele wundern
sich eigentlich gar nicht darüber, denn wir können behaupten:
"Wir leben in einer schnellen, hektischen Zeit." Das Leben ist fast food,
Hast, Hektik, Konsum und Dauerstress in Beruf und Arbeit, in Schule
und Freizeit. Überall in unserer Konsum- und Überflussgesellschaft
gibt es nie versiegende Reizströme. Es gibt nicht nur reichlich, sondern
auch immer mehr und immer schneller. Und was macht unser Nervensystem unter
diesen Vorgaben? Es sorgt - pointiert ausgedrückt - dafür, dass
wir ständig nervös sind.
Viele Menschen versuchen Wege aus der Unkonzentriertheit zu finden.
Es gibt auch die verschiedensten Möglichkeiten, dabei Hilfe zu finden.
Diese Hilfe sollte bei der Frage ansetzen, wie sich die Unkonzentriertheit
bemerkbar macht. Beim Beispiel Schule können dies folgende Fragen
sein: Ist das Kind in allen Schulfächern unkonzentriert oder nur in
bestimmten? Besteht die Unkonzentriertheit erst seit einiger Zeit, seit
Beginn der ersten Klasse, oder gab es schon Klagen im Kindergarten? Wie
äußert sich die Unkonzentriertheit? Braucht das Kind zu lange
für die Aufgaben? Schaut es laufend zum Fenster hinaus oder bleibt
nicht ruhig sitzen, geht es vielleicht durch den Raum? Diese Fragen geben
erste Hinweise auf mögliche Ursachen der Unkonzentriertheit. Unterschiedliche
Ursachen erfordern unterschiedliche Hilfen oder Behandlungsansätze.
Mit anderen Worten, um herauszufinden, was dem Schüler hilft,
sich gut und erfolgreich konzentrieren zu können, ist es notwendig,
das "Warum" der Unkonzentriertheit zu ermitteln.
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2. Was ist Konzentration?
Bevor wir uns näher mit denn Fragen nach dem "Warum"
beschäftigen, gilt es zuerst zu überlegen, was Konzentration
eigentlich ist. Konzentration heißt geistige Sammlung, "Zentrierung
seelischen Geschehens". Konzentration ist die Fähigkeit, für
eine gewisse Weile die ganze Aufmerksamkeit auf eine Sache oder ein Ziel
zu lenken. Konzentration ist das Gegenteil von Zerstreutheit.
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3. Ursachen im Leistungsbereich
Ein Grund, dass jemand unkonzentriert erscheint,
hat mit fehlender Begabung zu tun. Der Schüler ist wegen fehlender
Begabung überfordert. Die Überforderung zeigt sich in der Symptomatik
wie Unkonzentriertheit. In Wirklichkeit ist die Konzentrationsfähigkeit
schon da, aber bei fehlender Begabung können sich nicht die Ergebnisse
einstellen, die sich Schüler, Eltern und Lehrer wünschen. Der
Schüler wirkt tatsächlich unkonzentriert, aber nicht weil er
keine Konzentrationsfähigkeit hätte, sondern weil er in Wirklichkeit
durch die nicht ganz so sehr vorhandene Begabung überfordert ist.
Man könnte auch sagen: Überforderung führt zu Unkonzentriertheit.
Ein Beispiel: Ein Schüler hat im Bereich Lesen und Rechtschreibung
leider keine allzu große Begabung oder vielleicht auch eine Lese-
und Rechtschreibschwäche (Legasthenie). Zuerst mag er sich vielleicht noch mühen,
aber die Erfolgserlebnisse, die guten Noten, stellen sich nicht ein. Der
Schüler entwickelt nun immer mehr negative Gefühle. Wenn er bloß
Buchstaben sieht, möchte er mit all dem nichts zu tun haben. Dies
bezieht sich irgendwann nicht nur auf das Fach Deutsch, sondern auch auf
andere Fächer, in denen geschrieben werden muss. Die unangenehmen
Gefühle färben auf diese anderen Fächer ab, die Konzentration
ist in den anderen Fächern auch gestört. Der Schüler mag
nun über seinem Stoff sitzen, aber er kaut oft auf dem Stift herum,
schaut aus dem Fenster, alles dauert und dauert.
Solche Minderbegabungen oder Schwächen können zur Überforderung
führen. Dadurch kann ein Konzentrationsproblem entstehen. Im Grunde
liegt keine "echte" Konzentrationsschwierigkeit vor, denn die Ursache des
"sich nicht konzentrieren können" liegt woanders. Ein solcher Schüler
kann im Konzentrationstest gut oder sogar überdurchschnittlich abschneiden,
aber trotzdem erscheint er unkonzentriert. Meine Meinung ist sowieso diese:
Fast jeder kann sich konzentrieren, die Frage ist nur worauf und auch,
ob er sich für die Tätigkeit interessiert und sie ihm Spaß
macht.
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4. Ursachen im emotionalen Bereich
4.1. Ursachen im Bereich Leistungsdruck
Eine andere Form der Unkonzentriertheit, die sich
oft findet, hat mit Prüfungsangst und Notendruck zu tun. Die meisten
sagen dazu: "Ich bin so aufgeregt" oder auch: "Bei der Prüfung habe ich alles vergessen. Nichts fällt mir mehr ein." "Zuhause habe ich alles noch gekonnt." Selbst Nachhilfelehrer fragen sich, weshalb sie überhaupt Nachhilfe geben. Bei der Nachhilfe klappt fast alles. Meist liegt dieser Form der Unkonzentriertheit
(bei den Hausaufgaben und der allgemeinen Mitarbeit in der Schule klappt
alles gut.) keine tiefere Ursache zugrunde. Oft gab es vor Monaten und
Jahren eine negative schulische Erfahrung. Bei einer Arbeit wurde eine
schlechte Note geschrieben, und seit dieser Zeit ist die Angst da, dass
sich dies wiederholen könnte. Da Angst viel Energie aufsaugt, steht
diese Energie nun nicht für konzentriertes Arbeiten zur Verfügung.
Der Schüler ist angespannt, unaufmerksam, kribbelig oder auch leicht vergesslich. Das Ergebnis
sind mehr Leichtsinns- und Flüchtigkeitsfehler. Und mit mehr Leichtsinns-
und Flüchtigkeitsfehlern bekommt er dann eine schlechtere Benotung.
Ein Teufelskreis entsteht nun oft recht schnell.
Wenn Prüfungsangst die Konzentrationsenergie raubt, dann kann
jemand noch so viel Interesse und Konzentrationsvermögen tatsächlich
haben - es lässt sich nicht nutzen. (Ängste rauben Konzentrationsenergie!)
Nicht nur Prüfungsangst raubt Konzentrationsenergie, auch andere Ängste
oder Belastungen können entsprechende Auswirkungen haben.
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4.2. Ursachen im schulisch / emotionalen Bereich
Auch die schulisch-zwischenmenschliche Situation kann
als sehr belastend und schlimm erlebt werden. Ein Schüler, der das
Gefühl hat vom Lehrer ungerecht behandelt zu werden oder heruntergemacht
wird, leidet darunter - dies kann sich auf die Konzentrationsfähigkeit
auswirken. Das Verhältnis zum Lehrer kann einen sehr großen
Einfluss haben. Mögen wir den Lehrer oder die Lehrerin, ist dies
vorteilhaft. Haben wir das Gefühl, wir werden vom Lehrer gemocht,
geachtet und geschätzt ist dies ein wunderbarer Ansporn. Das Lernen
wird leichter. Das Interesse steigt. Der Schüler hat mehr Spaß
am Unterricht. Seine Konzentration ist besser und die Noten auch.
Eine weitere mögliche Belastung stellt das Verhältnis zu
Klassenkameraden dar. Wird der Schüler verspottet, ausgelacht, niedergemacht,
ausgeschlossen, Schläge angedroht, geschlagen, unter Druck gesetzt? Oder anders ausgedrückt: "Wird der Schüler gemobbt?"
Die Folge kann sein, dass dieser Schüler nicht nur oft in der
Frühe vor der Schule über Bauchschmerzen klagt, sondern in der
Schule auch kaum aufpassen kann.
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4.3. Ursachen im familiär / emotionalen Bereich, Wohnort,
Freundeskreis
Fast niemand wundert sich, wenn der Schüler
sich nicht konzentrieren kann, weil es Zuhause Schwierigkeiten gibt. Diese
können unterschiedlicher Art sein. (Beispiele):
- Eltern verstehen sich nicht. Zuhause gibt es dauernd Streit. Großeltern
mischen "konfliktschürend" mit.
- Verhältnis zu Geschwistern ist belastend.
- jemand aus dem Familien- oder Verwandtenkreis ist gestorben (oder
weggegangen: Z.B. bei Trennung / Scheidung)
- Kind wird Zuhause schlecht behandelt (oft geschimpft, angeschrien,
heruntergemacht, geschlagen usw. , selbst wenn Eltern / Großeltern
glauben das Kind "verdiene" es!) Es wirkt sich auf die Seele aus und oft
in Richtung Unkonzentriertheit!
- selbst sogenannte "freudige Ereignisse" wie Hochzeiten im Verwandtenkreis
oder Geburten können sich auf die Konzentrationsfähigkeit auswirken.
Belastungen für den Schüler müssen aber nicht aus
dem Elternhaus kommen. Auch Ereignisse im Verein, in der Nachbarschaft
oder im Freundeskreis (Bsp. Liebeskummer) können sich auswirken.
Belastungen unterschiedlichster Art können die Konzentrationsenergie
rauben! Angst vor dem Schulfach (Angst darin zu versagen, die eigenen oder
fremden Erwartungen, den Leistungsdruck nicht erfüllen zu können),
Angst vor Eltern, Lehrern oder Mitschülern wirken sich oft negativ
aus.
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5. Das hyperaktive Kind oder "ADS mit oder ohne Hyperaktivität"
Eine Form der "Unkonzentriertheit", von der immer
wieder in Zeitschriften und Zeitungen geschrieben wird, ist mit dem Begriff ADS mit oder ohne Hyperaktivität verbunden. ADS bedeutet AufmerksamkeitsDefizitSyndrom.
In Verbindung mit Hyperaktivität ist das Kind dauernd in Bewegung, leicht reizbar, wechselt oft von einer Aufgabe zur anderen ohne sie zu beenden, ist ruhelos und "umtriebig"; scheint nicht zuzuhören, will seine Wünsche gleich erfüllt bekommen; ermüdet schnell bei Aufgaben.
ADS mit oder ohne Hyperaktivität gilt dem einen als Krankheit (Diagnose durch den Arzt) dem anderen als Störung.
Sie ist wahrscheinlich vererbt. Bei Hyperaktivität sind die Kinder meist als Babys schon sehr
unruhig. Aber nicht jede Unruhe ist Hyperaktivität! Bis vor nicht allzu langer Zeit dachte man, Hyperaktivität
werde durch Nahrungsmittelunverträglichkeit ausgelöst.
Vor allem Phosphate, die beispielsweise auch manchen Wurstsorten
zugegeben werden, standen als 'Ursache' in Verdacht. Phosphate finden sich in vielen Dingen, die Kinder mögen,
z.B. in Cola und Schokolade. Bei systematischen Untersuchungen konnte die
Phosphat-Hypothese jedoch nicht bestätigt werden.
Beim hyperkinetischen Syndrom fällt auf, dass es im Laufe der Jahre unterschiedliche Begriffe für diese Art von Schwierigkeiten gab. Auch zur Zeit kursieren noch unterschiedliche Bezeichnungen dafür: ADHS = Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung, ADHD = attention deficit hyperactive disorder, HKS = hyperkinetisches Syndrom, POS psycho- organisches Syndrom (in der Schweiz gebräuchlich), ADDS = attention defizit disorder syndrome mit / ohne Hyperaktivität und Sozialstörungen
Der Begriff ADS (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom) hat sich erst neuerdings eingebürgert.
Übrigens: Bereits im Struwwelpeter von Heinrich Hoffmann aus dem 19. Jahrhundert wurde dieses Syndrom beschrieben.
Vielleicht erinnern Sie sich an die Geschichte vom Zappel-Philipp,
der beim Essen am Tischtuch zieht und dann...
Auch wenn sich die Phosphathypothese nicht allgemein bestätigt hat, kann es bei hyperkinetischen Kindern sinnvoll sein, vorerst die Nahrung umzustellen.
Oft muss dann auf Milch und Milchprodukte, Zucker, Schokolade, Zitrusfrüchte
und manche Brotsorten verzichtet werden. Das Einhalten dieser Diät
ist, wie man sich leicht vorstellen kann, oft eine Tortur und hilft leider
auch nur im Einzelfall.
Von Ärzten wird in erster Linie eine medikamentöse Behandlung empfohlen, die aber bei vielen Eltern und auch einigen Fachleuten umstritten ist.
Sehr gute Ergebnisse lassen sich offensichtlich mit Biofeedback / Neurofeedback erzielen. Nach den Untersuchungen von Thomas Fuchs sind die Ergebnisse mit den medikamentösen Behandlungseffekten vergleichbar. Internationale Untersuchungen zeigen dies auch immer wieder auf. Von Neurofeedback sind im Gegensatz zur medikamentösen Behandlung jedoch keine Nebenwirkungen bekannt.
Auf Grund der Ergebnisse des schwedischen Hirnforschers Torkel Klingberg kann ein Training der Kapazität des Arbeitsgedächtnisses recht hilfreich sein - gerade im Bezug auf Konzentration und dauerhafte Aufmerksamkeit. Mit WinKonz (Training 3; Merken und Hören) lässt sich das Arbeitsgedächtnis sehr gut trainieren - gerade auch bei Kindern mit ADS / ADHS.
Andere Hilfsansätze gehen in Richtung "Kinder austoben lassen",
Entspannungsverfahren wie Autogenes Training oder auch Edukinesiologie
- Lerngymnastik für Kinder. (Buchempfehlung: Erich Ballinger: Lerngymnastik
für Kinder. Kinesiologische Übungen im Kindergarten- und Schulalter.
Knaur Taschenbuch). Gute Ergebnisse wurden auch mit Psychomotorik erzielt.
Insgesamt lässt sich feststellen, dass schon vieles mit unterschiedlich kleinem oder großem Erfolg ausprobiert wurde.
Am verbreitesten scheint zur Zeit die Empfehlung zu sein, die medikamentöse Behandlung mit einem Elterntraining und / oder einer eher verhaltenstherapeutischen Behandlung des Kindes zu kombinieren.
Eine Behandlung durch das vielversprechende Neurofeedback ist durch die geringe Zahl von Neurofeedbacktherapeuten zur Zeit wohl eher eingeschränkt.
Allgemeine Empfehlungen für die Erziehung lauten: Konsequentes Verhalten den Kindern gegenüber ist sehr wichtig und sinnvoll.
A. M. Dieplinger nennt als positive Einflussfaktoren in der Erziehung gut organisierte Tagesabläufe, einen strukturierten und liebevollen Erziehungsstil, Koordinationsübungen bei Sport und Spiel sowie maximal 1 Stunde pro Tag TV, Gameboy und Computer. Während des Fernsehens sollen die Kinder auf einem Ball oder T-Hocker sitzen, was das Gleichgewicht trainiert. Die Ernährung sollte zuckerarm sein. Fertignahrung sei zu vermeiden. Frau Dieplinger kann sich bei diesen Empfehlungen auf die Erkenntnisse etlicher hochpotenter Fachleute berufen.
Selbstverständlich können Sie zur Früherkennung und Therapie einen Facharzt für Kinder und Jugendliche oder eine Psychologische Beratungsstelle (Erziehungsberatungsstelle) aufsuchen. An vielen Orten gibt es auch geeignete Selbsthilfegruppen.
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6. Andere Ursachen
Darüber hinaus können die Ernährung und
Umweltgifte (Bsp.: Holzschutzmittel) eine Rolle spielen. Es ist leider
zu vermuten, dass in unseren Wohnungen aus Möbeln und Teppichböden
chemische Stoffe ausgasen, welche die Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigen.
Auch Alkohol, Drogen und bestimmte Medikamente wirken sich konzentrationsmindernd
aus.
Nicht nur eine Ursache sondern verschiedene Ursachen (Multikausalität)
dürfte in den meisten Fällen vorliegen.
Eine gute Zusammenfassung verschiedener Ursachen
oder Blockaden findet sich in dem Buch : "Konzentration. Mit gesteigerten
Aufnahme- und Erinnerungsvermögen zum Erfolg" von Sam Horn, Verlag
Ueberreuter, Wien 1993.
Blockade 1 (Ablenkungen und
Unterbrechungen)
Natürlich ist es schwer, sich zu konzentrieren, wenn man dauernd
von Geräuschen, Menschen, optisch wahrnehmbaren Bewegungen und Telefonklingeln
gestört wird. All diese Dinge wetteifern um Ihre Aufmerksamkeit und
teilen sie.
Blockade 2 (Mangel an Übung
und/oder Erfahrung)
Konzentration ist eine Fertigkeit. Sie können nicht erwarten,
gut darin zu sein, wenn Sie niemals gelernt haben, sich zu konzentrieren,
oder wenn Sie nicht die Möglichkeit hatten, täglich zu trainieren.
Blockade 3 (Gewohnheitsmäßige
Unaufmerksamkeit/Zerstreutheit)
Manche Menschen sind mit ihren Gedanken einfach immer anderswo. Sie
können gar nicht anders, als mehrere Dinge gleichzeitig zu überlegen
oder zu erledigen. Aller Wahrscheinlichkeit nach haben sie dieses Verhaltensmuster
von Eltern oder Freunden übernommen und sehen keinen Grund, es in
Frage zu stellen. Da alle Menschen Gewohnheitstiere sind, neigen wir dazu,
solche einprogrammierten Verhaltensmuster beizubehalten.
Blockade 4 (Geringe Frustrationstoleranz)
In unserer heutigen Gesellschaft haben wir vor allem das Ziel, das
Leben so einfach wie möglich zu gestalten. Es können aber auch
Probleme entstehen, weil diese Einstellung verhindert, dass wir die
geistige Disziplin entwickeln, die wir brauchen, um uns auf komplexe Zusammenhänge
konzentrieren zu können.
Blockade 5 (Mangel an Interesse
oder Motivation)
Einfach ausgedrückt gibt es keine Konzentration, wenn das Interesse
fehlt. Das bedeutet, dass Sie bei einer Aufgabe, die Sie von Natur
aus nicht besonders interessiert, versuchen müssen, mit Absicht Interesse
daran zu gewinnen.
Blockade 6 (Aufschieben)
Verzögerung definiert sich als automatisches Hinauszögern
einer unangenehmen Aufgabe, ohne dass es dafür einen guten Grund
gibt. Manche Menschen schieben unwillkommene Angelegenheiten gewohnheitsmäßig
auf, ohne an die Konsequenzen einer solchen Verzögerung zu denken.
Blockade 7 (Handlungszweck oder
Plan unklar)
Eine alte Erkenntnis lautet: "Alle Fehler, die ich gemacht habe, alle
Irrtümer, die mir unterlaufen sind, alle Dummheiten, deren Zeuge ich
geworden bin, waren das Ergebnis von...gedankenlosem Handeln! Konzentration
ist das genaue Gegenteil: Wohlüberlegtes (und zielgerichtetes) Handeln.
Blockade 8 (Zerstreutheit /
Überlastung)
Bei vielen Menschen liegt die Ursache für ihre mangelnde Konzentration
nicht darin, dass sie sich kein Projekt vorgenommen haben, sondern
darin, dass es zu viele Projekte sind!
Blockade 9 (Müdigkeit,
Stress, schlechte Gesundheit)
Konzentration bedeutet zielgerichtete geistige Energie. Wenn Sie müde,
in schlechter körperlicher Verfassung oder krank sind, haben Sie einfach
nicht genug Energie, um sich zu konzentrieren und aufmerksam zu bleiben.
Blockade 10 (ungelöste
emotionale Probleme)
Wenn es Ihnen schwerfällt, sich zu konzentrieren und die Konzentration
aufrechtzuerhalten, liegt das vielleicht nicht daran, dass Sie es
nicht können, sondern vielmehr daran, dass ein bestimmtes wichtiges
Problem Ihre gesamte Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt, so dass für
andere Dinge kein Platz mehr bleibt.
Blockade 11 (negative Einstellung)
Diese Blockade ist die mächtigste von allen. Sogar wenn alle äußeren
Gegebenheiten "stimmen" - wenn Sie überzeugt sind, sich nicht konzentrieren
zu können, werden Sie es auch nicht schaffen!
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7. Was hilft?
Gehen wir entsprechend den oben aufgeführten
Blockaden vor. Um zu helfen ist es erst wichtig die Ursachen (Blockaden)
herauszufinden und dann gemäß den Ursachen vorzugehen.
Zu
Blockade 1 (Ablenkungen und Unterbrechungen):
Geräusche abstellen, ungestört (ohne Geschwister) Hausaufgaben
machen, ruhiger Raum.
Anmerkung von mir: Viele Schüler sagen, Musik beim Hausaufgaben
machen würde ihnen helfen, damit es besser gehe. Untersuchungen hierzu
haben gezeigt, dass sich die Schüler meist selbst etwas vormachen.
Ohne Musik klappt es mit der Konzentration meist besser. Aber: Eine entspannende
Musik von z.B. 5 bis 10 Minuten Länge, die der Schüler sich vor
den Hausaufgaben anhört, kann sich tatsächlich entspannend und
damit günstig auswirken.
Zu
Blockade 2 (Mangel an Übung und/oder Erfahrung):
Genau an dieser Blockade setzt das Konzentrationstraining mit dem Computerprogramm
'WinKonz' an. Hiermit haben Sie die Möglichkeit reichlich zu trainieren.
Auch Spiele wie z.B. Mikado, Geschicklichkeitsspiele (Labyrinthspiel),
Memory, Puzzle können hilfreich sein.
Zu
Blockade 3 (Gewohnheitsmäßige Unaufmerksamkeit/Zerstreutheit):
Auch bei dieser Blockade kann 'WinKonz' helfen. Es lassen sich neue
Verhaltensmuster durch das Training mit 'WinKonz' einprogrammieren. Andere
Hilfsmöglichkeiten finden sich in dem Buch von Ernst Ott: Das Konzentrationstrainings
- Programm. Rowohlt, Reinbek 1992
Zu
Blockade 4 (Geringe Frustrationstoleranz):
Bei geringer Frustrationstoleranz habe ich gute Erfahrungen mit Entspannungstraining
insbesondere mit Autogenem Training gemacht. Autogenes Training hat sich
auch bei Prüfungsangst und emotionalen Belastungen, die ursächlich
nicht aus der Welt zu schaffen waren, bewährt.
Zu
Blockade 5 (Mangel an Interesse oder Motivation):
Wie lässt sich trotzdem Interesse wecken? Sam Horn schreibt:
"... mit Absicht Interesse daran gewinnen. Damit können Sie sich selbst
motivieren." Lösungen können gefunden werden, auch wenn dies
nicht immer ganz leicht ist.
Zu
Blockade 6 (Aufschieben): Tipp:
Erst die unangenehmen Aufgaben machen, dann die angenehmeren. Da es sich
beim "Aufschieben" um eine Variation des Themas "geringe Frustrationstoleranz"
handelt, können hier auch Entspannungsverfahren gute Dienste leisten.
Zu
Blockade 7 (Handlungszweck oder Plan unklar):
Also: Machen Sie sich zuerst einen Plan. Überlegen Sie sich, was Sie
wollen, welches Ziel Sie erreichen wollen.
Zu
Blockade 8 (Zerstreutheit / Überlastung):
Überlastung
(Auch aus mangelnder Begabung): Leistungsansprüche herunterschrauben,
Pausen!!
Zu
Blockade 9 (Müdigkeit, Stress, schlechte Gesundheit):
Bei Müdigkeit ist klar: Schlafen Sie genügend! Sie haben
Schlafschwierigkeiten? Versuchen Sie es doch einmal mit Autogenem Training.
Bei Stress: Bauen Sie Stress durch Entspannungsverfahren wie
z.B. dem Autogenen Training ab.
Arbeiten Sie im "Biorhythmus", nicht dagegen. Die Leistungsfähigkeit
ist zwischen 14.00 Uhr und 15.00 Uhr eher gering.
Reizüberflutung (z.B. durch Fernsehen) vermindern.
Zu
Blockade 10 (ungelöste emotionale Probleme):
Probleme
sind dazu da, um gelöst zu werden. Falls Sie es nicht alleine schaffen,
haben Sie den Mut, mit Vertrauenspersonen darüber zu reden.
So gibt es auch überall Beratungsstellen, wo Sie Rat und Hilfe
finden können (Adressen finden sich im Telefonbuch).
Zu
Blockade 11 (negative Einstellung):
Ändern Sie Ihre negativen Einstellungen! Ein Beispiel hierzu: "Das
kann ich nicht." => "Das kann ich noch nicht. Aber ich kann es lernen."
Es gibt viele Möglichkeiten und Tipps zur
Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit, die unterschiedlichen Menschen
auch unterschiedlich gut helfen können. Wenn, so meine Erfahrung,
zuerst die Ursache der Unkonzentriertheit herausgefunden werden kann, kann
ursachengemäß vorgegangen werden. So empfehlen die meisten Konzentrationsforscher,
sich täglich zu bewegen. Dies fördere das Konzentrationsvermögen.
Wenn aber der Grund der Unkonzentriertheit im schlechten Verhältnis
zum Lehrer liegt, dürfte diese Empfehlung wohl kaum zum gewünschten
Ergebnis führen. Wenn der Schüler statt dessen seine Einstellung
zum Lehrer ändern kann, das wirkt schon eher.
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8. Allgemeine Regeln zur Konzentration
Konzentration kann nicht erzwungen werden. Wer sich
konzentrieren will, erreicht meist das Gegenteil.
Günstig ist:
- Gesunde Ernährung (Bsp.: Frühstück:
Müsli, Obst usw.) Günstig ist eine fettarme und vitaminreiche
Ernährung (z.B. mit viel Obst, Salat und Gemüse). Fett macht
das Blut zähflüssiger, was den Sauerstofftransport ins Gehirn
vermindert. Das Gehirn wird unterversorgt und ist geistig und gefühlsmäßig
nicht mehr voll leistungsfähig. Aber bestimmte "essentielle" Fette
braucht der Körper. Diese finden sich z.B. in Sonnenblumenöl.
Selten oder manchmal wirkt Süßes, weil nach kurzer Zeit der
künstlich hochgepuschte Blutzuckerspiegel dramatisch abfällt,
was üble Folgen für die Leistungsfähigkeit hat. Nudeln,
Kartoffeln und Reis wirken beruhigend und entspannend, wenn sie nicht in
Kombination mit Fett und Eiweißen gegessen werden.
- tägliche Bewegung (z.B. Spazierengehen,
Laufen, Treppen steigen). 10 bis 20 Minuten körperliche Aktivität
wirkt sich auf die Stimmung und damit auch auf die Konzentration positiv
aus. Man kann damit Spannung schnell und direkt abbauen und Energie nachladen.
Selbst wenn man müde ist: Die kurzfristige Ermüdung weicht nun
einer verstärkten Aktivierung der körperlichen Energiesysteme.
Die Edukinesiologie bietet verschiedene Bewegungsübungen an.
Bestimmte Arten von Nebentätigkeiten wie z.B. Strecken oder Dehnen
(oder die Manipulation von Gegenständen mit den Händen) gehen
mit einer hohen Behaltensleistung in auditiv dargebotenen Konzentrationsaufgaben
einher.
- Entspannung (Autogenes Training, entspannende
Atemübungen, Yoga, Progressive Entspannung, Entspannungsübungen
aus der Edukinesiologie, faulenzen, Musik hören oder auch selber machen)
Verschiedene Entspannungsübungen finden Sie im E-Book "Konzentrations- und Rechtschreibtraining für Schüler", das Sie im WinKonz - Shop käuflich erwerben können.
- Konzentrationsübungen aus obigen Literaturempfehlungen
- bewusste und überlegte Einteilung der Arbeitszeit (mit Übersicht)
Diese zuletzt beschriebenen allgemeinen Tipps dienen nicht nur der Förderung der
Konzentrationsfähigkeiten, sondern haben darüber hinaus auch
positive Auswirkungen auf die allgemeine Befindlichkeit und Gesundheit.
Und last but not least: Training mit WinKonz, dem Konzentrationstraining für Schüler (KTS) oder dem Konzentrations- und Rechtschreibtraining für Schüler (KuRTS).
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