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HEG und weitere Überlegungen zur Durchblutungsförderung bei ADS / ADHS

HEG

HEG wurde von dem amerikanischen Arzt Dr. Hershel Toomim entwickelt. HEG ist die Abkürzung für Hämoenzephalographie. HEG ist ein Verfahren, das sich zum einem mit der Durchblutung bestimmter Gehirnareale als auch mit der Verbesserung der Durchblutung dieser Gehirngebiete beschäftigt.

Dr. Toomim fand mittels bestimmter computertomographischer Verfahren heraus, dass sich beim Neurofeedbacktraining der Blutfluss im Gehirn verändert. Er fand auch heraus, dass sich die Durchblutung "willentlich" und in bestimmten Gehirnarealen verändern lässt. Aus dieser Erkenntnis entwickelte er ein eigenes Biofeedbackverfahren, das er HEG nannte.

Zur Erklärung: Biofeedback ist ein verhaltenstherapeutisches Verfahren, mit dem Körpervorgänge, die dem Bewusstsein normalerweise nicht direkt zugänglich sind, wahrnehmbar und beeinflussbar gemacht werden können. Ein Teilgebiet des Biofeedback ist das Neurofeedback. Neurofeedback befasst sich mit der Veränderung von Vorgängen im Gehirn, vor allem mit den Gehirnströmen, die mittels EEG (Elektroenzephalogramm) ableitbar sind.

Als Dr. Toomim HEG mit dem EEG-basierten Neurofeedback verglich, erzielte HEG im TOVA (Test of Variables of Attention) doppelt so gute Ergebnissse wie Neurofeedback. Der TOVA ist ein in den USA weit verbreiteter Konzentrationstest in der ADS / ADHS-Forschung.

Bei ADS / ADHS wird mittels HEG eine Verbesserung der Durchblutung im Stirnhirnbereich angestrebt. Hierzu entwickelte Dr. Toomim ein Stirnband, das mittels rotem und infrarotem Licht eine Messung der Durchblutung mit sauerstoffreichem Blut im Frontalhirnbereich ermöglicht und diese dem Anwender zurückmeldet. Damit ist mittels Biofeedback eine Veränderung der Durchblutung möglich. Genaueres zu HEG finden Sie auf der Website des Biocomp Research Institute.


Weitere Überlegungen zur Durchblutungsförderung

Ausgehend von den Erkenntnissen von Dr. Toomim stellte ich mir die Frage, welche Möglichkeiten neben HEG geeignet sind, die Durchblutung im Stirnhirnbereich zu fördern und damit eine Chance bieten, die Konzentrationsfähigkeiten zu verbessern? Seit langem ist in der Medizin und verwandten Fachgebieten bekannt, dass Wärmeanwendungen auf der Haut zu einer Verbesserung der Durchblutung des darunter liegenden Gewebes führen.

Was passiert nun, wenn ich meine warme Hand auf die Stirn lege? Oder, wenn ich eine Wärmflasche nutze, ein erwärmtes Kirschkernkissen, eine Infrarotwärmequelle? Führt dies auch zu einer verbesserten Durchblutung des Stirnhirns? Wenn die Wärmeanwendung einige Minuten dauert, also die Wärme genug Zeit hat auch in tiefere Schichten vorzudringen, ist dies der Fall.

Wenn dies zu einer Durchblutungsverbesserung führt - mit all den damit verbundenen Vorteilen der besseren Sauerstoff- und Nährstoffversorgung - warum sollte ich dies nicht ausprobieren? Wenn bei meinem Kind ADHS diagnostiziert wurde, und ich lege ihm täglich drei mal für etwa 10 Minuten meine warme Hand auf die Stirn, welche Nachteile sollte dies haben? Ist Körperkontakt nicht sowieso positiv? Vielleicht reicht eine Erwärmung mit der Handfläche, die ca. 36 Grad Celsius warm ist, nicht aus, um die Durchblutung zu fördern. Warum nicht eine Wärmflasche oder etwas Vergleichbares mit einer akzeptablen Temperatur von 40 bis 42 Grad Celsius nutzen? Zu beachten ist, dass der Stirnlinienbereich, der etwa 4 cm über den Pupillen liegt, eine Wärmezufuhr erfährt.

Da auch eine optimale Sauerstoffversorgung des Stirnhirns bei der Methode von Dr. Toomim angestrebt wird, ist während der Wärmeanwendung zu empfehlen auch tief ein- und auszuatmen. Eine Bauchatmung ist günstiger als eine Brustatmung. Bei tiefer Bauchatmung ist deutlich die Bauchhebung und -senkung beim Ein- und Ausatmen zu erkennen.

Bitte beachten: Bei Fieber wird keine Wärmeanwendung durchgeführt! Bei Kopfschmerzen können Wämeanwendungen teilweise kontraindiziert sein, aber wohl nicht in jedem Fall.

Einen wichtigen Unterschied zwischen lokaler Wärmeanwendung und dem HEG-Verfahren möchte ich aufzeigen: HEG ist ein Biofeedbackverfahren. Biofeedback ermöglicht dank der diesem Verfahren innewohnenden Lernprozesse lang anhaltende Wirkungen, die auch nach Ende der Behandlung von mindestens 20 Sitzungen bestehen bleiben können. Dies ist wahrscheinlich bei der reinen Wärmeanwendung nicht der Fall. Vermutlich muss eine reine, lokale Wärmeanwendung auf der Stirn recht lange durchgeführt werden, um ein dauerhaftes Ergebnis zu ermöglichen. Erste Wirkungen dürften aber - wie beim HEG-Verfahren auch - bereits nach 20 bis 40 Anwendungen bemerkbar sein.

Auf Grund all dieser Überlegungen scheint es mir erfolgversprechend zu sein, die lokale Wärmeanwendung z.B. mittels Infrarotlampe in Kombination mit einer tiefen Bauchatmung auszuprobieren. Falls Sie sich nach Rücksprache mit Ihrem Arzt oder Therapeuten dafür entscheiden sollten, würde ich mich freuen, wenn Sie mir nach 20 bis 40 Anwendungen von mindestens 3 mal 10 Minuten Dauer Ihre Erfahrungen per E-Mail mitteilen würden. E-Mail-Adresse siehe unter Kontakt..
 

Copyright: Ernst Hartmann, im Dezember 2004