Forschungsergebnisse zum Arbeitsgedächtnis
1. Arbeitsgedächtnis und ADHS
Zusammenfassung des Fachartikels: "Training des Arbeitsgedächtnisses
bei Kindern mit ADHS"
von Torkel Klingberg, Hans Forssberg und Helena Westerberg. Orginaltitel:
"Training of Working Memory in Children With ADHD" erschienen im Journal
of Clinical and Experimental Neuropsychology 2002, Vol. 24, No. 6, pp.
781-791
Übersetzung von Ernst Hartmann
Die Arbeitsgedächtniskapazität ist die Fähigkeit, Informationen
während einer kurzen Zeitperiode zu behalten und zu verarbeiten. Diese
Fähigkeit unterliegt komplexen kognitiven Vorgängen und wurde
lange Zeit als ein unveränderlicher Charakterzug eines Individuums
betrachtet. Kinder mit einem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS) repräsentieren
eine Gruppe von Individuen mit einem Defizit des Arbeitsgedächtnisses.
In der vorliegenden Studie wurde ein neues Trainingsdesign zum intensiven
und adaptiven Training von Aufgaben für das Arbeitsgedächniss
verwendet. Die Wirkung des Trainings wurde in einem Doppelblindversuch,
der Placeboeffekte ausschließt, überprüft. Das Training
erhöhte signifikant die Leistung bei Aufgaben für das Arbeitsgedächtnis,
die trainiert wurden. Noch wichtiger: Das Training führte auch zu
einer signifikant verbesserten Leistung bei einer visuell-räumlichen
Aufgabe für das Arbeitsgedächnis, die nicht trainiert wurde,
und beim Matrizentest von Raven - ein Intelligenztest mit nichtverbalen,
komplexen Denkaufgaben. Zusätzlich reduzierte sich die motorische
Aktivität - gemessen als Anzahl der Kopfbewegungen während eines
computerisierten Tests - in der Behandlungsgruppe signifikant. Eine
zweite Versuchsanordnung zeigte, dass ähnliche trainingsbedingte Verbesserungen
bei kognitiven Aufgaben auch bei jungen Erwachsenen ohne ADHS möglich
sind. Diese Resultate zeigen, dass die Leistung bei Aufgaben für das
Arbeitsgedächtnis durch Training signifikant verbessert werden kann,
und dass der Trainingseffekt auch auf nichttrainierte Aufgaben, die Arbeitsgedächtnis
erfordern, generalisiert. Das Training verbesserte die Durchführung
von Aufgaben, die in Beziehung zu präfrontalen Funktionen stehen,
und hatte auch einen signifikanten Effekt auf die motorische Aktivität
von Kindern mit ADHS. Die Resultate lassen also vermuten, dass ein Training
des Arbeitsgedächtnisses potenziell von klinischen Nutzen für
eine Linderung von ADHS-Symptomen sein könnte.
2. Arbeitsgedächtnis und Gehirnaktivität
B. Zusammenfassung des Fachartikels: "Gesteigerte präfrontale
und parientale Aktivität nach Training des Arbeitsgedächtnisses"
von Pernille J. Olesen, Helena Westerberg und Torkel Klingberg. Orginaltitel:
"Increased prefrontal and pariental activity after training of working
memory" erschienen in Nature Neuroscience, Volume 7, Number 1, Januar 2004
Übersetzung von Ernst Hartmann
Die Arbeitsgedächtniskapazität ist traditionellerweise als
konstant angesehen worden. Neuere Studien lassen jedoch vermuten, dass
das Arbeitsgedächtnis durch Training verbessert werden kann. In dieser
Studie wurden die Veränderungen der Gehirnaktivität untersucht,
die durch ein Training des Arbeitsgedächtnisses bewirkt werden. Zwei
Experimente wurden durchgeführt, bei denen gesunde Erwachsene fünf
Wochen lang Arbeitsgedächtnisaufgaben durchführten. Die Gehirnaktivität
wurde mit einem funktionalen magnetischen Resonanzbildverfahren (fMRI)
vor, während und nach dem Training gemessen. Nach dem Training hatte
die Gehirnaktivität, die mit dem Arbeitsgedächtnis in Verbindung
steht, im mittleren Frontalgyrus (middle frontal gyrus) und den oberen
und unteren parientalen Cortices (superior and inferior pariental cortices)
zugenommen. Die Veränderungen in der kortikalen Aktivität könnten
deutlicher Beleg für eine durch das Training herbeigeführte Plastizität
in dem neuralen System sein, das dem Arbeitsgedächtnis zugrunde liegt.
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